Warnschutzbekleidung nach EN ISO 20471 schützt Ihre Beschäftigten bei schlechten Sichtverhältnissen. Dieser Ratgeber zeigt, welche Klasse Sie benötigen, wie Sie konforme Kleidung erkennen und wie Sie sie fachgerecht nutzen und pflegen.

Welche EN-ISO-20471-Klasse (1, 2 oder 3) brauche ich für meinen Einsatzbereich?

Die EN ISO 20471 teilt Warnschutzbekleidung in die Klassen 1, 2 und 3 ein. Grundlage sind Mindestflächen an fluoreszierendem Hintergrundmaterial und retroreflektierendem Material. Entscheidend ist das Gefährdungsniveau im Einsatzbereich, insbesondere Verkehrs- und Maschinenbewegungen.

Technische Mindestflächen nach EN ISO 20471

Die Norm definiert die sichtbaren Mindestflächen je Kleidungsstück (in m²):

  • Klasse 1: Hintergrundmaterial ≥ 0,14 m², Reflexmaterial ≥ 0,10 m²
  • Klasse 2: Hintergrundmaterial ≥ 0,50 m², Reflexmaterial ≥ 0,13 m²
  • Klasse 3: Hintergrundmaterial ≥ 0,80 m², Reflexmaterial ≥ 0,20 m²

Die Reflexstreifen müssen umlaufend oder großflächig sichtbar sein. Typische Streifenbreite beträgt mindestens 50 mm. Die Anordnung ist so gewählt, dass Oberkörper und ggf. Arme/Beine aus allen Richtungen erkennbar sind.

Auswahl nach Einsatzbereich

Orientieren Sie sich an Verkehrs- und Maschinen­geschwindigkeiten sowie Arbeitsumgebung:

  • Klasse 1: Geringe Gefährdung, z. B. innerbetriebliche Bereiche mit niedriger Fahrgeschwindigkeit < 20 km/h, Lagerhallen mit Flurförderzeugen, Hofbereiche ohne öffentlichen Verkehr.
  • Klasse 2: Mittlere Gefährdung, z. B. Baustellen mit Fahrzeugen bis ca. 60 km/h, innerstädtische Straßenbaustellen, Arbeiten im kommunalen Bereich (Winterdienst in verkehrsberuhigten Zonen, Müllentsorgung in Nebenstraßen).
  • Klasse 3: Hohe Gefährdung, z. B. Arbeiten an Landstraßen und Autobahnen, Nachtarbeiten im Straßen- und Gleisbau, Einsatz in Bereichen mit Geschwindigkeiten > 60 km/h oder schlechter Sicht (Nebel, Regen, Dämmerung, Tunnel).

Für Fenster-, Türen- und Möbelbau-Betriebe sind typische Szenarien:

  • Montage auf dem Betriebshof oder im Lager mit Staplerverkehr: Klasse 1 ausreichend, sofern keine öffentlichen Verkehrsflächen betroffen sind.
  • Montage an Gebäudefassaden an stark befahrenen Straßen: Klasse 2, bei Arbeiten direkt an der Fahrbahn oder bei Nacht Klasse 3.
  • Transport- und Ladearbeiten an Straßenrand oder auf Parkplätzen mit Mischverkehr: mindestens Klasse 2.

Messbare Auswahlkriterien

Definieren Sie intern klare Kriterien:

  • Geschwindigkeit der Fahrzeuge: < 20 km/h (Klasse 1), 20–60 km/h (Klasse 2), > 60 km/h (Klasse 3).
  • Arbeitsabstand zur Fahrbahn: > 3,0 m (niedriger), 1,0–3,0 m (mittel), < 1,0 m (hoch).
  • Arbeitszeit: nur Tageslicht (niedriger), Dämmerung/Nacht (höher, Klasse 2–3).
Praxis-Tipp: Dokumentieren Sie im Gefährdungsbeurteilungs-Formular für jeden Arbeitsplatz die gewählte Klasse mit Begründung (Geschwindigkeit, Abstand, Lichtverhältnisse). So schaffen Sie Klarheit für alle Beschäftigten.

Berücksichtigen Sie auch Bewegungsfreiheit und Trageakzeptanz. Eine Klasse-3-Jacke mit 0,80 m² fluoreszierendem Material und 0,20 m² Reflexmaterial bietet hohe Sichtbarkeit, ist aber wärmer und schwerer als eine Klasse-2-Weste. Wählen Sie je nach Tätigkeit (z. B. schwere Montage, Überkopfarbeiten) ggf. Kombinationen aus leichten Oberteilen und Hosen, die zusammen Klasse 3 erreichen. Für solche Kombinationen kommen z. B. eine Warnschutz-Latzhose mit Knietaschen oder eine Warnschutz-Pilotjacke in Frage, sofern diese nach EN ISO 20471 zertifiziert sind.

Woran erkenne ich konforme Warnschutzbekleidung (Piktogramme, Etikett, Waschangaben)?

Konforme Warnschutzbekleidung nach EN ISO 20471 erkennen Sie an klaren Kennzeichnungen auf dem Etikett und an der Verarbeitung. Prüfen Sie jedes Teil vor der Beschaffung und vor der Ausgabe an Beschäftigte.

Pflichtkennzeichnungen auf dem Etikett

Folgende Angaben müssen dauerhaft und lesbar vorhanden sein:

  • CE-Kennzeichnung mit vierstelliger Kennnummer der notifizierten Stelle (z. B. CE 0123).
  • Normbezeichnung: „EN ISO 20471“ mit Angabe der Klasse (z. B. „Klasse 2“).
  • Piktogramm für Warnschutz: stilisierte Person mit reflektierenden Streifen.
  • Größenangabe (z. B. 48, L) und ggf. Körpermaße in cm (Brustumfang, Körpergröße).
  • Pflegesymbole nach ISO 3758 (z. B. Waschtemperatur 40 °C, Trockner geeignet/ungeeignet, Bügeltemperatur).
  • Materialangaben in Prozent (z. B. 80 % Polyester, 20 % Baumwolle) für Oberstoff, Futter, Reflexstreifen.
  • Herstellername oder -kennzeichen und Produktbezeichnung/Artikelnummer.

Die Klasse (1, 2 oder 3) muss direkt am Piktogramm oder in unmittelbarer Nähe stehen. Fehlt diese Angabe, ist das Kleidungsstück nicht eindeutig nach EN ISO 20471 klassifiziert.

Waschangaben und Lebensdauer

Die Norm fordert Angaben zur maximalen Anzahl von Waschzyklen, bei denen die Schutzwirkung erhalten bleibt. Typische Angaben sind z. B. „50x 60 °C“ oder „25x 40 °C“.

  • Die Zahl gibt die geprüfte Anzahl Haushaltswäschen an (z. B. 50 Zyklen bei 60 °C).
  • Industriewäsche wird gesondert gekennzeichnet (z. B. Symbol für Industriewäsche nach ISO 15797).
  • Nach Überschreiten der angegebenen Waschzyklen ist die Konformität nicht mehr garantiert.

Prüfen Sie außerdem Hinweise wie „nicht chemisch reinigen“, „nicht bleichen“ oder „kein Weichspüler verwenden“. Diese Angaben sind wichtig, um die retroreflektierenden Eigenschaften zu erhalten.

Material und Reflexstreifen

Warnschutzbekleidung besteht meist aus fluoreszierendem Polyestergewebe (z. B. 200–300 g/m²) in Gelb, Orange oder Rot. Für Handwerksbetriebe sind Mischgewebe mit Baumwollanteil (z. B. 60 % Baumwolle, 40 % Polyester) interessant, da sie angenehmer auf der Haut sind und Funken beim Schleifen von Metall oder beim Arbeiten mit Holz weniger stark einbrennen. Ein Beispiel für ein solches Oberteil ist ein atmungsaktives Warnschutz-Polo-Shirt mit Polyester-Baumwoll-Mischgewebe.

Reflexstreifen bestehen häufig aus Glasperlen- oder Mikroprismenmaterial. Achten Sie auf:

  • Streifenbreite mindestens 50 mm.
  • Umlaufende Anordnung um Rumpf und ggf. Ärmel/Beine.
  • Saubere Nähte ohne lose Fäden, keine Falten oder Blasen im Reflexmaterial.
Achtung: Warnwesten ohne CE-Kennzeichnung, ohne EN-ISO-20471-Angabe oder nur mit „EN 1150“ sind für den beruflichen Einsatz im Straßenverkehr nicht geeignet. Verwenden Sie diese nicht für Ihre Beschäftigten.

Dokumentation und Wareneingang

Fordern Sie vom Lieferanten die EU-Konformitätserklärung an. Prüfen Sie, ob dort EN ISO 20471 und die jeweilige Klasse genannt sind. Kontrollieren Sie stichprobenartig bei Wareneingang:

  • Lesbarkeit der Etiketten nach einem ersten Waschgang.
  • Gleichmäßige Farbe des fluoreszierenden Materials (keine Flecken, kein Ausbleichen).
  • Saubere Verarbeitung der Nähte, insbesondere an stark belasteten Stellen (Schultern, Schritt, Taschen).

Können Jacke und Hose kombiniert eine höhere Schutzklasse erreichen?

Ja, Jacke und Hose können kombiniert eine höhere Schutzklasse erreichen, wenn beide Teile nach EN ISO 20471 geprüft und als Kombination zertifiziert sind. Die Norm erlaubt, dass die Summe der sichtbaren Flächen von Ober- und Unterteil die Anforderungen einer höheren Klasse erfüllt.

Kombinationsprinzip nach EN ISO 20471

Die Norm unterscheidet zwischen Einzelteilen und Gesamtsystemen. Ein typisches Beispiel:

  • Warnjacke: Klasse 2 (z. B. 0,50 m² Hintergrund, 0,13 m² Reflex).
  • Warnhose: Klasse 1 (z. B. 0,14 m² Hintergrund, 0,10 m² Reflex).
  • Kombination Jacke + Hose: Gesamtfläche ≥ Klasse 3 (z. B. 0,80 m² Hintergrund, 0,20 m² Reflex).

Ob eine Kombination tatsächlich Klasse 3 erreicht, muss in der Konformitätsbewertung des Herstellers nachgewiesen sein. Suchen Sie auf dem Etikett oder in der Dokumentation nach Hinweisen wie „Kombination mit Hose Modell XY ergibt Klasse 3“.

Praxisrelevante Kombinationen

Für Handwerksbetriebe sind folgende Kombinationen üblich:

  • Warnweste (Klasse 2) + Arbeitshose ohne Warnschutz: bleibt Klasse 2, da nur der Oberkörper sichtbar ist.
  • Warnjacke (Klasse 2) + Warnlatzhose (Klasse 2): kann zusammen Klasse 3 ergeben, wenn ausreichend Fläche vorhanden ist. Hierfür eignen sich z. B. eine zertifizierte Warnschutz-Latzhose wie die Mascot Barras Safe Compete Latzhose in Kombination mit einer passenden Warnjacke.
  • Warnshirt (Klasse 2) + Warnregenhose (Klasse 1): Kombination kann Klasse 3 erreichen, wenn geprüft und gekennzeichnet.

Wichtig ist, dass beide Teile gleichzeitig getragen werden und keine anderen Kleidungsstücke (z. B. dunkle Jacke, Schürze) die fluoreszierenden Flächen oder Reflexstreifen verdecken.

Praxis-Tipp: Legen Sie für hochgefährdete Bereiche (z. B. Arbeiten an Straßen mit > 60 km/h) eine verbindliche Kleiderordnung fest: z. B. „Warnjacke Klasse 2 + Warnhose Klasse 2, Kombination Klasse 3, immer geschlossen tragen“.

Messbare Kontrolle der Kombination

Auch wenn Sie die Flächen nicht exakt nachmessen, können Sie einfache Plausibilitätsprüfungen durchführen:

  • Stehen Sie in 100 m Entfernung: Ist der Mitarbeiter von vorne, hinten und seitlich klar als Person erkennbar?
  • Sind an Oberkörper, Armen und Beinen jeweils mindestens zwei Reflexstreifen sichtbar?
  • Ist bei knienden oder gebückten Tätigkeiten (z. B. Montage von Bodenschienen, Sockelleisten) noch ausreichend Reflexfläche sichtbar?

Für Arbeiten mit viel Bücken und Knien, etwa beim Einbau von Bodenschwellen oder bei Möbelmontage auf Baustellen, sind Hosen mit Reflexstreifen in 50–70 cm Höhe über dem Boden sinnvoll. So bleiben die Streifen auch bei kniender Haltung sichtbar.

Material- und Komfortaspekte

Kombinieren Sie je nach Jahreszeit und Tätigkeit:

  • Sommer: Leichte Warnshirts (z. B. 150–180 g/m² Polyester) plus leichte Warnhosen mit Belüftungszonen.
  • Winter: Gefütterte Warnjacken (z. B. 240–300 g/m² Oberstoff plus Wattierung) plus Winterwarnhosen. Für kalte und zugleich gefährdete Einsatzbereiche kann eine gefütterte Warnschutz-Pilotjacke oder eine Softshelljacke mit Warnschutzklasse 2 sinnvoll sein, sofern die EN-ISO-20471-Anforderungen erfüllt werden.

Achten Sie darauf, dass Reißverschlüsse, Knöpfe und Werkzeuggürtel keine Reflexstreifen überdecken oder beschädigen. Metallteile an Werkzeugtaschen können bei Kontakt mit Glas oder lackierten Oberflächen Kratzer verursachen. Wählen Sie daher bei Arbeiten an Fenstern, Türen und Möbeln Modelle mit abgedeckten Metallteilen oder Kunststoffkomponenten.

Was ist beim Anbringen von Logos, Veredelungen oder Zubehör zu beachten?

Beim Anbringen von Logos, Namensschildern oder Zubehör darf die Schutzwirkung der Warnschutzbekleidung nicht beeinträchtigt werden. Jede zusätzliche Applikation reduziert die sichtbare Fläche des fluoreszierenden und reflektierenden Materials.

Flächenbegrenzung für Logos

Die EN ISO 20471 gibt Mindestflächen für Hintergrund- und Reflexmaterial vor. Logos dürfen diese Flächen nicht so stark reduzieren, dass die Mindestwerte unterschritten werden. Als praxisnahe Richtlinie gilt:

  • Maximale Logofläche auf dem Oberkörper: etwa 0,02–0,03 m² (z. B. 100 mm × 200 mm = 0,02 m²).
  • Logos nur auf Bereichen ohne Reflexstreifen platzieren.
  • Keine Logos auf Reflexstreifen kleben, drucken oder nähen.

Bei großflächigen Rückenlogos (z. B. 250 mm × 300 mm = 0,075 m²) kann die fluoreszierende Fläche kritisch reduziert werden. Prüfen Sie in solchen Fällen die Konformität mit dem Hersteller oder wählen Sie kleinere Logos.

Geeignete Veredelungsverfahren

Typische Verfahren sind Transferdruck, Stickerei und Aufnäher. Für Warnschutzbekleidung sind folgende Punkte wichtig:

  • Transferdruck: Verwenden Sie Materialien, die für EN-ISO-20471-Bekleidung freigegeben sind. Achten Sie auf Waschbeständigkeit (z. B. 50x 60 °C).
  • Stickerei: Nur auf nicht reflektierenden Bereichen einsetzen. Dichte Stickereien können das Gewebe verhärten und die Atmungsaktivität reduzieren.
  • Aufnäher: Kanten sauber vernähen, um Einreißen zu vermeiden. Größe begrenzen, um die fluoreszierende Fläche nicht zu stark zu reduzieren.
Achtung: Eigenmächtige, großflächige Veredelungen können die Zertifizierung faktisch außer Kraft setzen. Klären Sie größere Logos immer mit dem Hersteller oder einem Fachbetrieb für Veredelung, der Erfahrung mit EN-ISO-20471-Bekleidung hat.

Zubehör und Werkzeugbefestigungen

Für Handwerker sind zusätzliche Taschen, Werkzeughalter oder Gurte üblich. Beachten Sie:

  • Werkzeuggürtel: Verdecken häufig den unteren Reflexstreifen am Rumpf. Wählen Sie Gürtel mit integrierten Reflexstreifen oder tragen Sie die Warnjacke darüber.
  • Holster- und Nageltaschen: Nicht dauerhaft auf Reflexstreifen platzieren. Nutzen Sie Modelle, die seitlich oder vorne unterhalb der Reflexstreifen sitzen.
  • Namensschilder: Transparente Taschen oder kleine Klettschilder (z. B. 20 mm × 80 mm) verwenden, um die Fläche gering zu halten.

Bei Arbeiten mit Glas, beschichteten Metallen oder lackierten Holzoberflächen sollten Kunststoffclips und -halter bevorzugt werden, um Kratzer zu vermeiden. Metallkarabiner können bei Kontakt mit Glasbruch zusätzliche Gefahren schaffen.

Temperatur- und Druckeinfluss

Beim Aufbringen von Transfers wirken Temperaturen von 150–180 °C und Drücke von 2–4 bar für 10–20 Sekunden. Diese Parameter können Reflexstreifen und Gewebe schädigen, wenn sie direkt aufgebracht werden. Verwenden Sie daher:

  • Zwischenlagen (z. B. Silikonpapier) zwischen Presse und Reflexstreifen.
  • Exakte Positionierung außerhalb der Reflexbereiche.
  • Vom Veredelungsmaterialhersteller freigegebene Temperatur- und Zeitangaben.

Wie pflege ich Warnschutzbekleidung korrekt und wann muss sie ersetzt werden?

Die richtige Pflege entscheidet über die Lebensdauer und Schutzwirkung von Warnschutzbekleidung. Falsche Waschprogramme, Chemikalien oder Trocknungsmethoden können die fluoreszierende Farbe und die Reflexstreifen deutlich verschlechtern.

Waschen und Trocknen

Beachten Sie immer die Etikettangaben. Typische Vorgaben sind:

  • Waschtemperatur: 40–60 °C, Schonprogramm bei 40 °C für beschichtete oder laminierte Stoffe.
  • Schleuderdrehzahl: moderat (z. B. 800–1.000 U/min), um Falten und Knicke in Reflexstreifen zu vermeiden.
  • Trockner: nur verwenden, wenn ausdrücklich erlaubt, meist bei niedriger Temperatur (z. B. 60 °C Ablufttemperatur).

Verwenden Sie Waschmittel ohne optische Aufheller und ohne Bleichmittel. Weichspüler kann die Haftung von Reflexstreifen und die Atmungsaktivität von Membranen beeinträchtigen.

Praxis-Tipp: Sammeln Sie Warnschutzbekleidung getrennt von stark öl- oder farbverschmutzter Arbeitskleidung. Vorwäsche bei 30–40 °C reduziert groben Schmutz und schont die Reflexstreifen.

Fleckenentfernung und Reparatur

Bei typischen Handwerker-Verschmutzungen (Holzstaub, Metallstaub, PU-Schaum, Silikone, Lacke) gehen Sie wie folgt vor:

  • Holz- und Gipsstaub: Trocken ausbürsten, dann bei 40–60 °C waschen.
  • Metallstaub: Vor dem Waschen gründlich ausschütteln, um Abrieb auf Reflexstreifen zu minimieren.
  • PU-Schaum und Silikon: Mechanisch entfernen, keine aggressiven Lösemittel auf Reflexstreifen einsetzen.
  • Lacke: Sofort mit geeignetem Reiniger auf kleiner Testfläche prüfen, nicht auf Reflexstreifen reiben.

Kleine Risse im fluoreszierenden Gewebe können mit Reparaturflicken aus gleichwertigem Material (z. B. 200–300 g/m² Polyester in gleicher Farbe) repariert werden. Achten Sie darauf, dass die Gesamtfläche des Hintergrundmaterials nicht zu stark reduziert wird. Beschädigte Reflexstreifen (Risse > 5 mm, abgeplatzte Bereiche > 10 mm Länge) dürfen nicht einfach übernäht werden. In solchen Fällen ist meist ein Austausch des Kleidungsstücks sinnvoll.

Wann muss Warnschutzbekleidung ersetzt werden?

Ersetzen Sie Warnschutzbekleidung konsequent, wenn:

  • Die maximale Anzahl der auf dem Etikett angegebenen Waschzyklen erreicht oder überschritten ist.
  • Die fluoreszierende Farbe deutlich ausgeblichen ist (Vergleich mit einem neuen Musterteil).
  • Reflexstreifen Risse, Abplatzungen oder starke Knickfalten aufweisen.
  • Brandlöcher, Schnitte oder Abriebstellen größer als 10–20 mm vorhanden sind.
  • Verschmutzungen (z. B. Öl, Bitumen, Farbe) nicht mehr entfernbar sind und die Sichtbarkeit beeinträchtigen.

Als grobe Orientierung kann bei intensiver Nutzung (tägliches Tragen, wöchentliche Wäsche) eine Nutzungsdauer von 12–24 Monaten angesetzt werden. Bei gelegentlicher Nutzung (z. B. nur für Außentermine) kann die Lebensdauer deutlich länger sein, sofern die Waschzyklen und der Zustand passen.

Organisation im Betrieb

Richten Sie im Betrieb einfache Kontrollmechanismen ein:

  • Jährliche Sichtprüfung aller Warnschutzteile durch eine verantwortliche Person.
  • Markierung des Anschaffungsjahres auf dem Etikett (z. B. mit Textilstift „2026“).
  • Dokumentation der ausgegebenen Teile pro Mitarbeiter, um Austausch zu planen.

Lagern Sie Warnschutzbekleidung trocken, lichtgeschützt und nicht in der Nähe von Lösungsmitteln oder Ölen. UV-Licht kann fluoreszierende Farben ausbleichen. Vermeiden Sie daher dauerhafte Lagerung in verglasten Schränken mit direkter Sonneneinstrahlung.

Fazit

Wählen Sie die EN-ISO-20471-Klasse konsequent nach Gefährdung, Verkehrs­geschwindigkeit und Arbeitsumgebung. Achten Sie auf vollständige Kennzeichnung, korrekte Kombinationen und begrenzte Veredelungsflächen. Mit klaren Pflegevorgaben und regelmäßiger Sichtprüfung sichern Sie dauerhaft die Sichtbarkeit und damit die Sicherheit Ihrer Beschäftigten.

FAQ

Welche EN-ISO-20471-Klasse ist für Arbeiten an Straßen im Handwerk erforderlich?
Für Arbeiten direkt an Straßen mit Fahrzeuggeschwindigkeiten über 60 km/h ist Klasse 3 erforderlich. Bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 60 km/h reicht Klasse 2, sofern ein ausreichender Abstand zur Fahrbahn besteht. Legen Sie die Klasse immer anhand der Gefährdungsbeurteilung fest.

Woran erkenne ich, ob meine Warnweste EN ISO 20471 erfüllt?
Sie erkennen konforme Westen an CE-Kennzeichnung, Normangabe „EN ISO 20471“ und der ausgewiesenen Klasse auf dem Etikett. Zusätzlich müssen ein Warnschutz-Piktogramm, Pflegehinweise und Materialangaben vorhanden sein. Fehlt eine dieser Kernangaben, sollten Sie die Weste nicht im betrieblichen Verkehr einsetzen.

Kann ich mit Jacke und Hose zusammen Klasse 3 erreichen, obwohl die Jacke nur Klasse 2 hat?
Ja, Sie können mit einer Klasse-2-Jacke und einer geeigneten Warnhose zusammen Klasse 3 erreichen, wenn die Kombination geprüft und so gekennzeichnet ist. Achten Sie auf Hinweise des Herstellers zur Kombinationszertifizierung. Tragen Sie beide Teile gleichzeitig und verdecken Sie keine Warnflächen.

Darf ich ein großes Rückenlogo auf Warnschutzjacken anbringen?
Sie dürfen nur so große Logos anbringen, dass die Mindestflächen für Hintergrundmaterial erhalten bleiben. Begrenzen Sie Rückenlogos auf etwa 0,02–0,03 m² und platzieren Sie sie außerhalb von Reflexstreifen. Klären Sie größere Logos immer mit dem Hersteller oder einem spezialisierten Veredler ab.

Wann muss ich Warnschutzbekleidung ersetzen?
Sie müssen Warnschutzbekleidung ersetzen, wenn die maximale Zahl der Waschzyklen erreicht ist oder sichtbare Schäden und Ausbleichungen vorliegen. Tauschen Sie Teile mit beschädigten Reflexstreifen, Brandlöchern, tiefen Schnitten oder nicht entfernbaren Verschmutzungen konsequent aus. Führen Sie mindestens einmal jährlich eine dokumentierte Sichtprüfung durch.

Wer hat diesen Ratgeber geschrieben?
Fachredaktion Arbeitsschutz

Unsere Produktmanager erstellt praxisnahe Ratgeber für Handwerksbetriebe im Fenster-, Türen- und Möbelbau. Mit langjähriger Erfahrung kennen wir die Herausforderungen der täglichen Montage, Fertigung und Baustellenarbeit.

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